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Ruderverein Dorsten - U19 Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro

1. - 8. August 2015 - Bericht von Sebastian Schmelzer
Vorgeschichte - Donnerstag: Anreise, Vorläufe - Freitag: Halbfinale, Stadtführung Teil 1 - Samstag: Finals, Stadtführung Teil 2 - Sonntag: Maracana, Heimreise - Was bleibt - Danke! - Empfang in Dorsten - Gesamtansicht

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Samstag: Finals, Stadtführung Teil 2

Mit Vorfreude ging es am Samstag zur Strecke. Finaltag, ca. 28°C. Morgens kaum Wind, nahm dieser immer mehr zu. Teilweise kam er seitlich, sehr fies für Ruderer. Aber an den Bedingungen sollten wir nichts ändern können. Bereits seit 09:30 Uhr kämpften die DRV-Junioren um Medaillen, mit immer mehr Erfolg. Um 11:14 Uhr kam dann Christopher mit dem Vierer ohne Steuermann. Die erste Zwischenzeit bei 500m brachte Ernüchterung, nur Platz 4. Man war aufgrund des Windes schlecht am Start weggekommen, arbeitete sich aber zurück ins Rennen. Platz 3 bei 1000 m, auch bei 1500 m. Eine knappe Kiste sollte es bis zum Ende werden. Ein beherzter Endspurt brachte letzte Sicherheit und die Bronzemedaille. Gold ging an die bärenstarken Rumänen, Silber an die Briten. Platz vier an die Griechen. Anfängliche Enttäuschung in den Gesichtern der Jungs und auch in meinem Kopf wich schnell der Freude über die Medaille in diesem starken Feld. 16 Boote waren angetreten, wir waren unter den Top 3. Ein toller Abschluss für die Mannschaft und Trainer Frank Flörke. Das Projekt Rio, welches 2013 nach der Silbermedaille im B-Junioren 4x+ mit fast der gleichen Mannschaft begann, war zu Ende. Bronze und das Siegerpodest der Lohn. Toll gemacht Jungs, ich bin stolz auf Euch!!!

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Siegerehrung 4-

Ok, dachte ich mir, Du kommst nicht mit leeren Händen heim. Die Reise nach Rio hat sich gelohnt. 50 Minuten später war der Juniorinnenachter dran. Papa Doerfler hielt es kaum auf dem Sitz, die mitgereisten Eltern um uns herum auch nicht. Ich war nervös. Was passiert hier jetzt, ging mir durch den Kopf.

Es ist 11:53 Uhr. Grade eben war die britische Nationalhymne für den Junioren Doppelvierer verklungen, da startete auf dem Lagoa Rodrigo de Freitas der Juniorinnen Achter mit unserer Caro.

Deutschland auf Bahn 3, als zeitschnellstes Boot dort gesetzt. Die USA daneben auf 4, die Italienerinnen auf 2, Rumänien auf 5, China auf 1 und Australien auf 6. Das Rennen komplett kommentiert, die Deutschen am Start vorne. Erste Zwischenzeit bei 500 m, eine gute halbe Länge vorne. Der Sprecher spricht von einer "massive lead". Eine ganze Länge bei 1000 m. Ich war mir sicher. Wenn die keinen Krebs ziehen, dann gibt's ebenfalls eine Medaille. Ich saß still und ungläubig auf der Tribüne. Fast 5 Sekunden vorne bei 1500 m. Wasser zwischen uns und den USA, Italien und Rumänien, die ebenfalls um eine Medaille kämpften. "Scheisse, die holen Gold" dachte ich...

Fünf Sekunden im Achter nimmt dir auf 500 m keiner mehr. Normalerweise!!! Der Rest des Feldes kämpfte, zog nochmal an, aber es reichte... WELTMEISTER!!! Wahnsinn... Jubel, Papa Doerfler fiel mir in die Arme, ein erlösender Schrei. Es fühlte ich an, als wäre eben ein Filmdrama mit einem Riesen-Happy-End zu Ende gegangen. Ein perfekter Tag, zwei Medaillen, einmal Weltmeister. Ich malte mir aus, wie dieses Ergebnis zuhause in Dorsten erlebt worden ist, spurtete runter zur Strecke und zur anschließenden Siegerehrung.

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Siegerehrung 8+

In diesen Momenten blickt man zurück. Vor zwei Jahren startete Trainerikone Uli "Ötte" Wyrwoll das Projekt Juniorinnenrudern in Dorsten. Ein Mädel fehlte in seinem Puzzle, da machte uns Charlotte Reinhardt auf Carolin Doerfler aufmerksam. Nach erfolglosen Ruderversuchen im Kinderbereich war sie inzwischen groß gewachsen und deutlich sportlicher. Es zeigte sich das enorme physische Talent, schnell lernte sie. Nach gut einem Jahr saß sie beim Baltic Cup zum ersten Mal in Nationaltrikot im Boot - ein weiteres Jahr später ist sie Weltmeisterin. Das sind Geschichten die der Sport schreibt... Dazu die Bronzemedaille der Jungs im Gepäck - einer der größten Momente für mich bisher. Es blieb das Gefühl der totalen Genugtuung, alles richtig gemacht zu haben. Jede Sekunde habe ich mich als Dienstleister an unseren Sportlern gesehen, Ihnen den Rücken freigehalten und immer an sie geglaubt. Etliche Stunden geredet, Leistungen diskutiert, deutliche und richtige Worte gefunden, Perspektiven aufgezeigt und zusammen auch unbequeme Wege gegangen. Aus so wenig haben wir so viel erreicht. Immer mit einen Team im Rücken, welches uns dieses Erlebnis ermöglicht hat. Multo Obrigado, vielen vielen Dank dafür!!!

Die Siegerehrung lief an mir vorbei, alles war unwirklich. Für Gratulationen und Bilder blieb wenig Zeit, denn die Achter mussten Platz für die Juniorenachter am Siegersteg machen.

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Siegerehrung 8+

Für Thomas Doerfler und mich ging es weiter mit Birgit Porto. Denn diese wartete freudig an der Regattastrecke und unternahm mit uns Teil II unserer Stadtführung. Zunächst auch ihre herzlichsten Glückwünsche, auch sie hatte vor dem Rechner zuhause mitgefiebert und unsere Erfolge miterlebt. Mit ihr ging es am Samstagnachmittag ins Zentrum Rios. Dieses ist am Wochenende menschenleer, denn dort spielt sich lediglich unter der Woche das Leben ab. Dort wohnen nur wenige Menschen, vielmehr ist es das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Stadt und des Bundesstaates Rio de Janeiro. Eindrücke des alten Rios, monumentaler Bauten der 30er Jahre, kleiner Gassen und Fassaden aus dem Jugendstil gibt es nur noch mancherorts. Viel ist den Zweckbauten aus Beton der 60er und 70er Jahre gewichen, dem "modernen" Rio. Manches Highlight - wie die Fliesentreppe des Künstlers Jorge Selaron Rios - hat dennoch seinen Charme und ist absolut sehenswert. Beeindruckend ist auch das Sambadrom, ein Karnevalsstadion, welches über 1 km Tribünen entlang der Straßen bietet und auf einem riesigen Platz endet. Hier tobt der Karneval, der Tanzwettbewerb der Sambaschulen.


Ipanema Beach

Strandleben am Ipanema

Ipanema III

Um das Gesehene abschließend zu verarbeiten, oder besser zu verdauen, durfte ein traditionelles Churrasco nicht fehlen. In der Churrascaria Palace an der Copa Cabana genossen wir die pure "Fleischeslust" und ließen unsere Eindrücke der vergangenen Tage sacken. Feinstes Fleisch von Rind und Schwein, Fisch, Vorspeisen, etliche Beilagen verwöhnten unsere Gaumen. Danach beendeten wir den Abend mit diversen Getränken an den Bars der Copa Cabana. Auch hier nochmal ein besonderer Dank an Birgit Porto, unserer sympathischen Reiseführerin, die ich jedem Touristen bei Interesse bestens empfehlen möchte :-) Kontakt: Tel. (55)(21)3624-9490 (Festnetz) / (55)(21)99632-2274 (mobil) oder hier eine Email an Birgit Porto senden


Zeitungsente vor dem Zuckerhut

Fliesentreppe Selaron

Im Hotel bekamen wir dann einen kleinen Eindruck, was Sportler unter einem Absch(l)ussabend verstehen. Anders als auf dem Wasser hielten sich unsere beiden Dorstener aber vorbildlich zurück und waren am nächsten Morgen ansprechbar und überraschend frisch.

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