Pfingst-Wanderfahrt 2022 nach Barßel (Friesland)

1. - 7. Juni 2022

Bericht von Hartmut Thordsen


Anreise nach Barßel

Ja, ich darf den Fahrtenbericht [ ursprünglich für den "Tegelorter" - die Vereinszeitung meines Heimatvereins Ruder-Club Tegelort in Berlin ] schreiben, ich lief nicht schnell genug weg und merke, ein wenig aus der Übung zu sein - aber so war das auch mit unserer Ruderei in diesem Jahr in Dorsten und so freuten meine Sabine und ich uns auf eine lockere Tour im Kreis der Familie (Sabine, Heinz, Anke) mit ein wenig Rudern und Radfahren. Dazu gesellten sich noch die Tegelorter Andrea, Nadine, Jeanine und Thomas sowie Ingrid aus Hannover.

Ok, das mit dem Radfahren war nur in der Art geplant, dass zwei von uns zehn Teilnehmern die Ruderer auf Land per Rad begleiten sollten - dafür standen zwei aus Berlin mitgeführte E-Bikes zur Verfügung. Aber auch Ingrid aus Hannover hatte ihres dabei und wir unsere „Bio-Bikes“, neudeutsch für „ohne Motor“.

Pünktlich zur Kaffeestunde trudelten wir Mittwoch nachmittags im Barßeler Ruderverein ein. Wir wurden von einigen Kameraden dort auf das Herzlichste mit einer Kuchentafel empfangen, die uns in die leckere Pflicht nahm, wenigstens etwas davon wieder an den folgenden Tagen im Boot abzuarbeiten.

Die Zimmerbelegung im Hotel war spaßig. Es schien dem Hotelier zu gefallen, nacheinander mehreren von uns den Schlüssel zu Zimmer 8 in die Hand zu drücken. Beim Versuch, die Tür vergeblich zu öffnen, wurde schließlich von innen geöffnet und ein leicht verärgerter älterer Herr war sich ebenso sicher, im richtigen Zimmer zu wohnen. Vermutlich war er in jungen Jahren dort eingezogen und das war gar keine 8, das Symbol sollte eigentlich auf der Seite liegen und das Tor zur Unendlichkeit markieren, kam mir doch die Textzeile von „Hotel California“ (Eagles) in den Sinn: „You can check-out any time you like - but you can never leave!“. Wir bekamen danach jeweils andere Zimmer zugewiesen - nochmal Schwein gehabt 😂

Lediglich die Abendstunden beim örtlichen Italiener hätten besser ausfallen können. Er zählte ohne Frage nicht zu den Besseren seiner Zunft, aber wir wurden immerhin satt.



Fahrt nach Leer

Der erste Tag sollte der Hinfahrt ins 36 km entfernte Leer auf Soeste und Jümme vorbehalten sein, tags darauf wollten wir zurück rudern. Mit einem Vierer und einem Zweier nahmen die acht Ruderer die Herausforderung an. Das Wetter war bestens, bei der Anreise hatte es dagegen ordentlich geschüttet. Unser Geburtstagskind und VL Sabine sowie Andrea sollten die Ruderer auf dem Rad bis nach Leer begleiten.

Fernab der Küste mischte sich aber „Tante Tide“ ins Geschehen ein. Das Gezeiten-Geschehen in den friesischen Kanälen ist mit jedem Kilometer mehr stark zeitversetzt. Da wir starken Gegenwind hatten, hätten wir noch früher losrudern müssen, um die geplante Strecke ohne Gegenströmung bewältigen zu können.

Waren wir noch mit leicht ablaufendem Wasser - aber öfters frischem Gegenwind - losgefahren, so schlug das Strömungsbild nach knapp zwei Dritteln der Strecke unvermittelt ins Gegenteil um. Wir konnten eben noch einen der wenigen Stege in der Nähe eines Lokals ansteuern und uns dort verköstigen. Die Radler - also nicht die im Glas - waren tatsächlich bis Leer gekommen und schickten per Whatsapp kleine Videoschnipsel von einer irrwitzigen Gegenströmung nahe der Seeschleuse vor dem Hafen von Leer. Dagegen hätten auch kräftige Ruderer keinen Stich gemacht und wir waren immerhin noch etwa 10 km von diesem Punkt entfernt.

So wurde die Pause ausgekostet, bis wir wieder mit den Radfahrern vereint vor der Weiterfahrt einen der zahlreich mitgeführten Kuchen vertilgen duften. Plan B hieß: zurück nach Barßel, immerhin auf einem anderen Weg als wir gekommen waren, der Leda entlang. Das auflaufende Wasser plus Schiebewind trieben uns an manchen Stellen wie den Korken aus der Flasche, so dass der Rückweg vergleichbar einfach zu rudern war. Aber was heißt das schon, immerhin hatten wir an diesem Tag ungeplant satte 49 km gerudert, was doch nicht wenig über unserem Wohlfühl-Limit einer Tagesetappe lag.

Nach der Tour holten wir noch die zwischengeparkten Autos am Bahnhof in Apen ab, denn sie wurden ja nicht für die geplante Rückfahrt benötigt. Dann ging es zu Burger und Steaks im Hafen.



Leer, zweiter Tag

Die Überschrift passt nun nicht mehr ganz - die Boote waren ja nicht in Leer - aber ein wenig doch. Meine Sabine und ich, wir hatten - in diesem Jahr noch etwas ungeübt - den Vortag in den Knochen und entsagten der Ruderei freiwillig. Nach einem kleineren Einkauf für den Abend fuhren wir beide (mit dem Auto) nach Leer und erkundeten vor Ort die Stadt und den Hafen mit unseren Fahrrädern.

Die Ruderer - genauer: nur ein Vierer - steuerten als Tagesetappe noch einmal den Ort Stickhausen an, wo wir schon tags zuvor an einem Reisemobil-Campingplatz eine kurze Rast gemacht hatten. Ingrid, Jeanine und Nadine waren begleitend mit dem Fahrrad unterwegs.

Das vereinsübergreifende Abendessen mit unseren Gastgebern fand an großer Tafel draußen in der Abendsonne beim Verein statt. Sabine hatte einen Schwung original Berliner Currywürste mitgebracht, die mit den morgens gekauften Brötchen und Salaten würdig verspeist wurden. So wurde auch dieser Tag, wenn auch unplanmäßig, ein sehr schöner.



Papenburg

Der Sonnabend war eh für Landprogramm geplant. Mittags hatten wir einen Besuch der Meyer-Werft in Papenburg gebucht. Diese ist berühmt dafür, dass sie mit die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt baut, die jeweils nach Fertigung einer schweren Geburt gleich noch 40 km die Ems entlang bis zum offenen Meer bugsiert werden müssen. Als größter Arbeitgeber der Region und mit den Schauwerten des Produktes ausgestattet, ziehen solche Stapelläufe, aber auch allein die Werft jährlich sehr viele Besucher an.

Nachmittags erkundeten wir in kleineren Grüppchen die malerische Innenstadt von Papenburg. Diese ziert ein kleiner Kanal mit Zugbrücken und alten Schiffen und eine Vielzahl an hübschen Geschäften und einladenden Restaurants.

Zurück in Barßel trieb es Ingrid und mich noch zu einer kleinen Radtour - wenigstens ein kleines bisschen Bewegung nach dem leckeren Asia-Essen kurz zuvor. Den Abend verbrachten wir in unserem Hotel.



„Schlickrutschen“ an Pfingsten

Mit Nadine gab es ein weiteres Geburtstagskind beim Sonntagsfrühstück zu feiern. Heute gingen alle an Bord von zwei Vierern. Dafür mussten wir die Hochwasserphase nutzen, wollten wir doch auf einem Rundkurs zunächst durch den Nordloher Kanal Richtung Augustfehn rudern.

Nun ist dieser Kanal gerade mal breit genug zum Rudern. Und er führt kaum mehr Wasser, als dass unsere Boote eben noch schwammen! Öfters mal schien sich das Boot geradezu festzusaugen. Das äußert sich in einer drastisch reduzierten Geschwindigkeit und einer Bug- und Heckwelle, die groß genug ist, dass sie mit Schaumkrone bricht und an flacheren Ufern als hier junge Küken ängstigen könnte. Ein Motorboot, das so eine Welle wirft, schauen wir schon nicht mehr freundlich an. [ Anmerkung der Fahrtenleitung: Na dann solltest du mal wieder an einem sonnigen Sonntag in Berlin rudern! Dann weißt du, was Wellen sind! ]

Ab und zu lag ein Ast o.a. im Wasser, was genau wie an den Pfählen kleinerer Zugbrücken gelegentlich zu Blatt-lang-Manövern führte. Höhepunkt war, als Heinz - unseren Vierer steuernd - bemerkte, dass das Steuer ausgehoben worden war, vermutlich durch Grundberührung. So winkten wir den nachfolgenden Vierer kurz heran, um uns Kletterei ins Heck zu ersparen und das Steuer wieder einhängen zu lassen. Am Ausgang dieses kleinen Stichkanals lauerten uns noch ein paar unfreundliche Angler mit ihren Strippen auf. Nun ja, die Utensilien dieser „Sportler“ sollten im Lauf der restlichen Etappe noch öfters von Sabines Mädels-Vierer „eingesammelt“ werden. Es gingen schon Wetten, ob sie noch in den zweistelligen Bereich abgerissener Angelschnüre kämen.

Ziel der Pause auf Land war die Hengstforder Mühle mit ihrem einladenden Landgasthof. Klar, dass sich hier heute nicht nur Ruderer niederließen, das war auch ein schönes Ausflugsziel für den Pfingstsonntag per Rad.

Anke hatte die Tidenzeiten gut im Blick. Die Weiterfahrt auf dem Aper Tief war geschenkt. Strömend und mit dem Wind segelnd erzielten wir nichts tuend Geschwindigkeiten jenseits von 5 km/h. Nun ja, irgendwann macht auch das keinen Spaß mehr, auch wenn Zeit zum Beobachten von Vögeln und einer Bisamratte blieb, und so ruderten wir weiter auf bereits bekannten Teilstücken von Jümme und Soeste zurück nach Barßel.

Ach ja, es war noch Kuchen übrig! Eigentlich immer an diesen Tagen ;-) Im Verein machten wir erst einmal ein kleines Gelage, bevor wir uns zum Duschen zurückzogen, um später dann schön sauber zum Abendessen zu erscheinen.



Greetsiel

Die Wetterprognose für Montag war schlecht! Für mittags waren halbwegs sichere Niederschläge mit Gewitterneigung angesagt. So groß ist die Liebe zur Ruderei dann auch nicht und wir planten einen weiteren Tag auf Land. Leer war noch einmal im Gespräch, aber an einem Feiertag, so dachten wir, dürfte diese Stadt ihrem Namen Ehre machen. Also entschieden wir uns für ein etwas ferneres, dafür deutlich touristisches Ziel und besuchten Greetsiel. Dieser Ort ist für seinen Krabbenfischerhafen bekannt, obwohl das Meer hinter den Deichen von dort überhaupt nicht zu sehen ist.

Nach individueller Erkundung des Ortes schafften wir es gar, als Gruppe einzukehren und so einige Regenschauer an uns vorbei ziehen zu lassen.

Nach Greetsiel machten wir einen Abstecher zum nahegelegenen Leuchtturm bei Pilsum. Diese kleine rot und gelb gestreifte Tonne hat es zu einiger Berühmtheit gebracht, so z,B. durch Otto Waalkes‘ Film „Der Außerfriesische“ und gilt als ein prägendes Wahrzeichen Ostfrieslands. [ Der eine oder andere Dorstener erinnert sich - hier waren wir schon auf unserer Wanderfahrt im Emsland 2007. ]

Wieder daheim begaben wir uns ins Vereinsheim des Rudervereins und ließen uns dort vom örtlichen Pizza-Bringdienst versorgen. Ein paar mitgebrachte Spiele sorgten für weitere Abwechslung am Abend eines wettermäßig durchwachsenen Tages.



Soeste

War das Wetter am Vortag schon nicht so arg schlecht ausgefallen wie vorhergesagt, so waren wir heute wild zum Rudern entschlossen - wenigstens für eine kurze Etappe die Soeste aufwärts und zurück. Mit den ersten Regentropfen kehrten wir auf Land zurück und widmeten uns danach der Vernichtung einiger im Kühlschrank gehorteten Vorräte (nicht nur Kuchen).

Den letzten Abend in dezimierter Runde verbrachten wir in einem netten Restaurant in Bahnhofsnähe in Apen, denn Anke musste heute Abend per Bahn zurück nach Berlin. Thomas und Andrea hatten uns schon am Morgen verlassen.

Zurück bleibt die Erinnerung an eine schöne Woche in Friesland, der Heimat der Barßeler Ruderer, die mit ihren regelmäßigen Besuchen beim RC Tegelort der Verbindung beider Vereine seit vielen Jahren treu sind. Liebe Barßeler Ruderfreunde, es war auch sehr schön bei Euch 😊.

Hartmut